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Ein Keller voller exotischer Frösche

Beobachtung einer Gruppe Adelphobates galactonotus

 

Ich halte und züchte schon seit Jahren Dendrobatiden. Hauptsächlich halte ich verschiedene Arten  und Morphs aus dem Dendrobates tinctorius Komplex. Darunter befindet sich auch seit Mitte der 90er Jahre, eine Gruppe Adelphobates galactonotus (früher Dendrobates galactonotus), Morph 75% orange, die ja früher auch zum Tinctorius Komplex gezählt wurden.

Früher hielt ich meine Gruppe von 3 Tieren in einem großen Schauterrarium von 170cm Länge, 70 cm Tiefe und 120 cm Höhe, zusammen mit Epipedobates anthonyi (Früher E. tricolor) und Geckos der Gattung Lygodactylus. Es war ein herrlicher kleiner Jungel mit Bachlauf und einem kleinen Teich. Die Temperatur lag meist um die 25°C unten und über 35°C im oberen Bereich des Beckens. Diese Temperaturstaffelung wurde durch die Beleuchtung mit zwei 125 Watt HQL - Lampen erreicht. Die Luftfeuchtigkeit lag bei 70% mittags und fast 100% am Morgen und Abend. Eine Regenanlage und die Nebelanlage wurden durch Zeitschaltuhren und Feuchtigkeitsregler (Hygrostat) geregelt.

Das Geschlechtsverhältnis der Adelphobates lag bei 1,2. (1 Männchen, 2 Weibchen) Dabei dominierte ein Weibchen und verjagte das unterlegene immer wieder. Aufgrund der Beckengröße und einer guten Strukturierung, kam sie aber nie ernsthaft in Bedrängnis.

Die  Vermehrungsrate aller Frösche war enorm. Ständig schwammen Kaulquappen von Adelphobates galactonotus im Teich, von den Epipedobates ganz zu schweigen.

Als dieses Becken durch einen Unfall zerstört wurde, zogen meine anderen Terrarien, zusammen mit etlichen neuen, in 2 Kellerräume um. Die Größten Terrarien dort sind 90x55x60 cm (LxTx H). 


Die Temperatur liegt zwischen 23°C morgens und steigt recht schnell auf 27°C an. Im oberen Bereich (direkt unter der Deckscheibe) steigt sie auf etwas über 30° an. Die LF liege zwischen 95% morgen und ca. 75% mittags. Es wird 4x in der Regenzeit und alle 3-4 Tage in der Trockenzeit beregnet. Eigentlich optimale Bedingungen.

Das Trio A. galactonotus bezog ein solches Becken in der Oberen Reihe meiner Anlage. Zusätzlich setzte ich noch ein Jungtier, welches wahrscheinlich ein Männchen ist dazu, um das Geschlechtverhältnis auszugleichen. Ich habe mal gehört, dass es zu weniger Auseinandersetzungen kommt, wenn dieses Verhältnis ausgeglichen ist und jedem Weibchen ein Männchen zur „Verfügung“ steht. Genaue Beobachtung ist selbstverständlich sehr wichtig!

Kurze Zeit später wurde auch ein Gelege abgelegt. – Leider verpilzte es komplett.

Bei den Fröschen bildete sich wieder eine Rangfolge. Im Folgenden möchte ich die Tiere so benennen:

Dominantes Männchen: 1,0a


Dominantes Weibchen:  0,1a



Neues, unterlegenes M.: 1,0b

 

Unterlegenes Weibchen: 0,1b


1,0a und 0,1a bildeten wieder das dominante Paar. 0,1a drängte ab und zu 0,1b ab, aber ohne es zu stark zu unterdrücken. Meist war es nur ein „leichtes wegschupsen“. Ich konnte aber auch 0,1b dabei beobachten, wie es 0,1a klammerte. Das war aber sehr selten der Fall. 1,0b wurde von den anderen 3 Tieren kaum beachtet. Die Tiere sahen sehr gut aus und fraßen gut. Beim Füttern waren immer alle 4 gut zu beobachten. Besonders scheu ist dies Gattung ja nicht.

Leider lies die Nachzucht auf sich warten. Es wurde kein Gelege abgesetzt. Auch nach einer zweimonatigen Trockenzeit war das Ergebnis nicht besser. Kein Quaken, kein Gelege – nichts. Es war schon ein Jahr vergangen, seit  die A. galactonotus in das Becken gezogen sind.

 Dann war es endlich da – nein kein Gelege, sondern das neue Buch „Pfeilgiftfrösche“ von Lötters, Schmidt, Henkel und Jungfer. Dort las ich, dass A. galactonotus während der Regenzeit nur Temperaturen von ca. 20° - 23°C benötigt. Da A. galactonotus aus dem brasilianischen Tieflandregenwald stammt, wunderte mich das schon sehr. War meine jetzige Haltung zu warm? Im großen Schauterrarium waren bestimmt einige Stellen, wo solche Temperaturen herrschten. Durch eine dichte Bepflanzung in der Nähe des Baches könnte dies sicherlich sein. Leider habe ich nicht überall gemessen. Da sich im jetzigen Terrarium aber nicht tat, zogen die Frösche kurzerhand eine Etage tiefer. Das Becken hat die gleiche Größe, ist aber nur 50 cm hoch. Dort liegen die Temperaturen bei 24° - 27°C. Oder ist es immer noch zu warm? So kühle Becken habe ich gar nicht.

In den folgenden Tagen wurde es richtig interessant! 1,0a war ständig zu sehen. 0,1a und 0,1b ergaben sich in neue Auseinandersetzungen. 1,0b hielt sich wie immer zurück. Immer häufiger konnte ich beobachten, dass 0,1b ihre Kontrahentin besiegte. Im Habitat schien sie die Stärkere zu sein. Es wurde so schlimm, dass ich 0,1a herrausfangen und in ein anderes Terrarium setzten musste, um Schlimmeres zu vermeiden. Sie bezog ein Terrarium von 60x50x50 cm, mit gleichen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerten.

 

Jetzt sollte es aber mit der Zucht losgehen. Was jetzt kam, war aber verblüffend! Anstatt sich 0,1b nun an 1,0a ranmachte, sprang sie ihn aggressiv an. Sie klammerte ihn und jagte ihn durchs Becken. Ein Weibchen, das ein Männchen jagt? Das habe ich noch nie gehört.

Und warum? 1,0a hatte keine ruhige Minute mehr. Sobald er sich zeigte, wurde 0,1b zur Furie und attackierte ihn auf heftigste. 1,0b hielt sich in all der Zeit zurück und zeigte sich selten.

Nach ein paar Tagen sah ich mich gezwungen, 1,0a ebenfalls heraus zu fangen und zu 0,1a zu setzen.

Wie oben schon erwähnt, wurde A. galactonotus früher zum Dendrobates tinctorius Komplex gezählt. Dies wurde unter Anderem durch das Verhalten der Tiere erklärt. So war die Aggressivität zum Weibchen ja noch zu erklären. Bei Tieren aus den D. tinctorius Komplex ist es normal, dass gerade die Weibchen untereinander unverträglich sind. Streitigkeiten zwischen den Geschlechtern sind aber nicht ausgeprägt. 

Nach dieser Aktion sah ich auch 1,0b wieder öfter offen im Terrarium herumhüpfen. 0,1b kümmerte sich, wie gehabt, nicht sonderlich um ihn. Meine Zuchthoffnung ruhten jetzt völlig auf dem Paar 1,0a und 0,1a im kleinern Becken – aber nicht passierte.

Als bei Routinearbeiten in Terrarium von 1,0b und 0,1b eine Bruthöhle kontrollierte, staunte ich nicht schlecht, dort ein frisches Gelege zu finde. Bei genauerer Beobachtung, stellte ich fest, dass 1,0b und 0,1b jetzt ein „richtiges“ Froschpaar bildeten. Sie balzten und legten Eier.

Was bleibt, sind offene Fragen:

Hat das aggressive Weibchen, welches wohl auf den schüchternen Typ Mann steht, nicht nur weibliche Konkurrenz, sondern auch Rivalen für „ihr“ Männchen aus dem Weg geräumt?

Bilden sich bei Adelphobates vielleicht feste Paare? Schließlich wurden ja auch 1,0a und 0,1a nach dem Leben im Schauterrarium wieder zum dominanten Paar.

Verteidigen die Frösche vielleicht ihr Revier gemeinsam gegen Eindringlinge?

Wie jeder weiß, kommt in freier Natur nur der Stärkste und Schönste dazu seine Gene weiterzugeben. Warum hat sich  0,1b im neuen Terrarium an 1,0b gehalten und ist nicht zum dominanten 1,0a „übergelaufen“, als 0,1a fort war?

Und warum ging es so viele Jahre gut?

Ich hoffe, ich kann noch vieles über das Verhalten dieser Frösche herausfinden.  Sie gehören auf jeden Fall zu meinen Favoriten.

Ich würde mich freuen, wenn jemand etwas dazu beitragen kann, dieses Verhalten zu erklären.
Nachtrag:
Mein ehemaliges dominantes Männchen ist letzten gestorben. Im neuen Becken hat es nicht mehr gerufen, war aber sonst noch lange topfit. Es hat aber irgendwann erst stark abgebaut und ist letztendlich gestorben.
Hat das Weibchen vieleicht gemerkt, dass er zu alt war um weiter für Nachwuchs zu sorgen? Es hat mich schon lange gewundert, dass er sich noch vermehrt hat. Im Becken mit dem neuen dominanten Paar, läuft die Zucht sehr gut!!


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